Die erweiterte Bewegungspyramide

„Sport ist gesund, das weiss jedes Kind.“

Aber was würden Sie antworten, wenn ich Sie fragen würde, ob Sport gesund ist?
Oder, was würden Sie antworten, wenn ich Sie frage, ob Bewegung gesund ist?

Ich habe die Vermutung, dass nicht nur jedes Kind, sondern die meisten Erwachsenen, ohne gross nachzudenken, sofort auf beide Fragen mit ‚Ja, Sport und Bewegung ist gesund‘ antworten würden.

Wenn ich im Internet recherchiere treffe ich eine überwältigende Mehrzahl an Artikel an, welche sagen, dass jede Form von Bewegung gesund sei. So scheint mir das folgende Zitat beinahe schon plakativ zu verdeutlichen, welche allgemeine Meinung gegenüber Sport und Bewegung vorherrscht:

„Sport ist gesund, das weiß jedes Kind. Dabei kommt es gar nicht auf eine bestimmte Sportart an. Wichtig ist tägliche Bewegung. Es kann auch Unkraut jäten im Garten sein.
Der Schweiß rinnt, die Lunge pumpt und das Herz pocht bis in die Schläfen, dazu noch rote Wangen und weiche Knie – nach der morgendlichen Joggingrunde würde so mancher Freizeitathlet sofort Winston Churchills Spruch zustimmen: Sport ist Mord. Erst später breitet sich das wohlige Gefühl aus, etwas für den Körper getan zu haben, für seine Form, Fitness und Gesundheit. Tatsächlich gilt Bewegung als Garant für ein intaktes Herz-Kreislauf-System, für einen zügigen Stoffwechsel und für einen agilen Geist. Auch Kummer und anderen psychischen Stress kann körperliche Belastung eindämmen.
Für Gerhard Huber vom Institut für Sport und Sportwissenschaft der Universität Heidelberg kommt es dabei nicht auf eine bestimmte Sportart an: „Es ist die Bewegung, die gesund ist, egal wie sie aussieht. Und besonders wichtig für die Gesundheit ist, täglich mindestens 30 Minuten körperlich aktiv zu sein. Verausgaben muss sich dabei aber niemand“, fasst der Sportwissenschaftler die internationalen Forschungsergebnisse zusammen“ (Apfel, 2013).

Aus dem Text des Artikels kann angenommen werden, dass mit „egal wie sie aussieht“ vor allem verschiedene Sportarten oder Beschäftigungen gemeint sind und nicht die Qualität der Bewegung. Trotzdem sind nach meinem Empfinden solche Aussagen täuschend und werden nach meiner Vermutung auch oft von Laien so interpretiert und von Experten z.T. auch so gemeint, dass Bewegung generell gesund ist.

Ich hätte diese Frage bis vor nicht allzu langer Zeit ebenfalls mit einem überzeugten ‚Ja‘ beantwortet, denn etwas anderes habe ich während meinen Sportstudium eigentlich nie gehört:

‚Bewegung ist gesund‘ (Punkt)

Aber bereits bei diesem Satz wird für mich klar, dass die Frage nicht so einfach zu bejahen ist, denn:

Was genau ist Gesundheit? Und, was genau ist Bewegung?

Die Frage, ob Bewegung gesund ist, kann ich so nicht beantworten. Viel detaillierter muss ich mich zuerst einmal fragen was Gesundheit ist und dann auch, ob ,Bewegung = Bewegung‘ ist.

Die erste Frage, was ‚Gesundheit‘ genau sein soll, werde ich wohl nie bis ins letzte Detail beantworten können. Ich kann mich noch ziemlich gut an die Sportlektion am Lehrerseminar Kreuzlingen zurück erinnern, in welcher mein super Sportlehrer uns gefragt hat, wie wir Gesundheit definieren würden. Bereits damals musste ich feststellen, dass es gar nicht so einfach ist eine sinnvolle Antwort auf diese Frage zu finden. Auch Jürgen hat uns damals auf die Definition der WHO aufmerksam gemacht und bis heute kenne ich keine bessere Definition von Gesundheit:

„Die Gesundheit ist ein Zustand des vollständigen körperlichen, geistigen und sozialen Wohlergehens (…)“ (WHO, 2009, S.1).

Ich finde diese Definition sehr verständlich. Weil sie aber so verständlich ist, zeigt sie mir zugleich, dass ich diesen Begriff wohl deshalb auch nie fassen werde, so umfassend ist er. Sehr deutlich wird mir, dass es neben der körperlichen Gesundheit auch eine geistige Gesundheit und ein soziales Wohlergehen gibt. Obwohl mir die geistige und soziale Gesundheit sehr am Herzen liegt, kümmere ich mich mit meinem SFT-Konzept mehr um die körperliche Gesundheit, denn diese ist für mich irgendwie etwas fassbarer und so hoffe ich einfach, dass das Training dann auch noch etwas Spass bereitet und sich vielleicht sogar einige Menschen dabei kennenlernen und dadurch SFT auch auf die zwei anderen Gesundheitszweige eine positive Wirkung entfalten wird.
Ich möchte mich also vor allem um die körperliche Gesundheit kümmern, aber bereits bei diesem Begriff stehe ich wieder vor einem riesen Ding.

Während dem Schreiben des Textes ‚Beweglichkeit‘ hatte ich festgestellt, dass es zum Teil einfacher sein kann, das Gegenteil von dem zu nennen, was man eigentlich nennen möchte. Im Text behaupte ich dies von den Begriffen ‚funktionelle Bewegungsmuster‘ und ’Intelligenz‘ und ich denke, dass ich nun einen dritten Begriff in diese Gruppe mit aufnehme, den Begriff ‚körperliche Gesundheit‘.
Es ist meiner Meinung nach einfacher zu benennen was ungesund ist und wenn wir diese Risikofaktoren beseitigen können, dann denke ich, dass wir der körperlichen Gesundheit etwas näher kommen.

Wenn wir die körperliche Gesundheit betrachten, dann denke ich, dass sich die meisten darüber einig sein werden, dass Herzkreislauf-Erkrankungen, sowie Muskuloskeletale-Erkrankungen eine grosse gesundheitsschädigende Wirkung entfalten und wir im Gesundheits- und Sportbereich prädestiniert sind, um gegen diese Erkrankungen durch Bewegung anzukämpfen.

Herzkreislauf-Erkrankungen waren im Jahr 2006 für 37% der Todesfälle in der Schweiz verantwortlich (Bundesamt für Statistik, 2008, S.5).
Sie sind damit die häufigste Todesursache in der Schweiz.
Etwas überraschend für mich, erklären aber laut dem Schweizerischen Gesundheitsobservatorium die oft genannten Risikofaktoren, wie Bewegungsmangel, Übergewicht oder hoher Blutdruck nur einen Drittel der Unterschiede in Bezug auf die Sterblichkeit betreffend Koronarer Herzkrankheiten. Es wird darauf geschlossen, dass es „(…) über die klassischen Risikofaktoren hinaus psychosoziale Determinanten und Faktoren geben (…)“ muss, welche einerseits die Entstehung von Kardiovaskulären Krankheiten begünstigen und andererseits solche, welche als Schutzfaktoren auftreten (Schweizerisches Gesundheitsobservatorium, 2008, S.14).
Diese Vermutung teile ich auch, denn ich denke unsere psychische Gesundheit hat auch Auswirkungen auf unseren Körper, aber das ist nur eine Vermutung von mir.
Ähnlich scheint es auch der Dalai Lama zu sehen, wenn er folgendes sagt:
„Den guten Gesundheitszustand, dessen ich mich erfreue, führe ich auf meinen meist ruhigen und ausgeglichenen Geist zurück“ (Dalai Lama, 2012, S.119).

Stellen Herzkreislauferkrankungen die häufigste Todesursache dar, so sind Erkrankungen des Bewegungsapparats der häufigste Grund für Konsultationen beim Arzt. 11% aller ärztlichen Diagnosen betreffen Erkrankungen des Bewegungsapparates, welche die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen (Leitungsgruppe des NFP 53, 200?, S.5).
In den letzten Jahren ist sogar eine Zunahme der Beschwerden im Rücken und den oberen Extremitäten zu verzeichnen (Läubli & Müller, 2009, S.4). Dies führt zu enormen Kosten. Alleine die Behandlung von Rückenschmerzen stellt einen der wichtigsten Kostenfaktoren im Schweizer Gesundheitssystem dar. Laut Läubli und Müller (2009, S. 27) sind operative Behandlungen von Kreuzschmerzen für 1.5% aller Aufenthaltstage in Schweizer Spitälern verantwortlich.
Zusätzlich wird geschätzt, dass sich durch die reduzierte Produktivität von Personen mit Erkrankungen des Bewegungsapparates betriebliche Kosten von jährlich 3.3 Milliarden CHF ergeben (Läubli & Müller, 2009, S.23).
Ein Fünftel aller IV Renten werden wegen Muskuloskeletalen-Erkrankungen gesprochen. Dies verursacht Kosten von jährlich einer Milliarde Franken (Leitungsgruppe des NFP 53, 200?, S.5).

Ich denke die meisten Menschen sind sich einig, dass Erkrankungen des Herzkreislaufsystems, sowie des Bewegungsapparates ernst genommen werden müssen und alles daran gesetzt wird, diesen Erkrankungen präventiv entgegenzuwirken.

Dass Bewegung sehr gute Wirkung auf das Herz-Kreislaufsystem hat, ist meines Wissens ziemlich gut bewiesen und auch ziemlich einleuchtend. Ich denke wenn es um das Herzkreislaufsystem geht, dann kann man in etwa festhalten; umso mehr Bewegung, umso besser ist dieses trainiert und umso gesünder läuft es wohl.
Damit wir aber unser Herzkreislaufsystem trainieren können, brauchen wir unseren Bewegungsapparat. Wir können uns nur mehr bewegen, wenn wir einen funktionstüchtigen Bewegungsapparat haben, welcher uns auch schmerzfreie Bewegung zulässt, sonst wird es nicht wirklich Spass machen und wohl auch nicht besonders gesund sein. Und aus diesem Blickwinkel wird erkennbar, dass die Basis von Bewegung ein funktionstüchtiger Bewegungsapparat ist. Wir sollten deshalb meiner Meinung nach alle sehr stark darauf achten, dass wir unseren Bewegungsapparat optimal belasten, dass er uns möglichst lange ermöglicht unser Herzkreislaufsystem zu trainieren.
Deshalb muss ich mich nun fragen, wie ich meinen Bewegungsapparat optimal einsetzen kann, damit ich das Risiko von Muskuloskeletalen-Erkrankungen so tief wie möglich halten kann.
Und unter diesem Gesichtspunkt stimmt eben meiner Meinung nach die allgemeine Aussage „Bewegung ist gesund“ nicht mehr uneingeschränkt und die Aussage ‚Sport ist gesund‘ noch weniger.

Bewegung ist nach meiner Überzeugung nicht per se gesund.

Auch die Tatsache, dass ich selbst und viele meiner ehemaligen Sportstudenten-Kameraden sich während sportlichen Tätigkeiten z.T. schwerwiegende Verletzungen des Bewegungsapparates zugezogen haben, welche uns nun ein Leben lang begleiten werden, hat mich schon immer stutzig gemacht, wenn dann immer erzählt wird, wie gesund Sport sein soll. Sport macht meiner Ansicht nach primär Spass und anschliessend ist es sehr stark von der Sportart und dem Sportler abhängig, ob Sport auch gesund ist.
Wenn Sie mit X-Beinen jeden Tag Joggen gehen, dann denke ich nicht, dass dies ideal für Ihre Knie ist.
Wenn Sie bei den meisten Alltagsbewegungen die Beweglichkeit in der Lendenwirbelsäule ‚holen‘ und Ihre Hüfte wie ein Zementblock fixiert ist, dann denke ich auch nicht, dass ihr Bewegungsapparat optimal belastet wird und Rückenschmerzen vorprogrammiert sind.
Ich vergleiche in diesem Zusammenhang unseren Bewegungsapparat jeweils mit einem Fahrrad. Wenn Sie an Ihrem Fahrrad eine Acht in einem der Räder entdecken, dann werden die meisten versuchen diese Acht wieder gerade zu biegen, denn wir wissen, dass einfach von alleine die Acht nicht wieder gerade wird und das Fahrrad mit der Zeit zusammenbrechen wird. Achten Sie sich mit diesen Gedanken einmal auf Ihr eigenes Bewegungsverhalten oder setzen Sie sich auf eine Parkbank und beobachten Sie einige Läufer. Ich denke Sie werden selber erkennen, mit welch grossen ‚Achten‘ diese Menschen ihre Leistung verbessern möchten. Sie trainieren in meinen Augen nach dem Motto; Quantität vor Qualität. Ich bin mir aber ziemlich sicher, dass es umgekehrt sinnvoller wäre.

Ich bin der Überzeugung, dass es bessere und schlechtere Bewegungsmuster für unsere Art (Homo Sapiens) gibt und wir unseren Fokus mehr auf dieses Themengebiet richten sollten, damit wir dann auf optimalen Bewegungsmustern auch unser Herzkreislaufsystem möglichst lange trainieren können, denn dieses sollte schon auch nicht vergessen gehen. Tun wir dies aber nicht, ist die Gefahr meiner Meinung nach gross, dass wir nach dem Motto ‚ein Schritt vorwärts, zwei Schritte zurück‘ trainieren.
Eine etwas detailliertere Beschreibung, was ich unter funktionellen Bewegungsmustern verstehe, finden Sie in meinem Text ‚Beweglichkeit‘ im Kapitel ‚Optimale Beweglichkeit‘.
Meine Definition von funktionellen (artgerechten) Bewegungsmustern möchte ich aber auch hier anfügen, falls Sie das oben genannte Kapitel nicht lesen möchten:

Artgerechte Bewegungsmuster sind Bewegungsmuster, welche ökonomischer sind als andere und die muskuläre Arbeit optimal regulieren, wodurch die passiven Strukturen maximal geschützt werden.

Wie wichtig funktionelle (artgerechte) Bewegungsmuster sind, kann aber auch schon aus dem folgenden Zitat erahnt werden:

„Die Mehrzahl der Schmerzsyndrome der Wirbelsäule und des Beckens beruht auf Funktionsstörungen des Bewegungssystems“ (Niemier & Seidel, 2012, S. 158).

Das bedeutet in meinen Augen, dass wir die Funktionsstörungen des Bewegungssystems bekämpfen müssen, um die Schmerzen zu bekämpfen.
Wenn ich nun aber die offiziellen Bewegungsempfehlungen der Schweiz und der meisten anderen Ländern betrachte, dann sehe ich darin vor allem den quantitativen Charakter nach dem Motto: ‚beweg dich mehr‘. Sehr verbreitet ist die Bewegungspyramide, welche ich Ihnen hier aufzeige:

Die Bewegungspyramide

Abb.1: (Martin-Diener, Martin, Mäder, Studer, & De Keyzer, 2009, S.9 / graphisch verändert durch mich)

Diese Pyramide empfiehlt folgendes:

• „Bei Erwachsenen reicht eine halbe Stunde körperliche Aktivität pro Tag aus, um Gesundheit, Wohlbefinden, Lebensqualität und Leistungsfähigkeit zu verbessern. Die Intensität der Bewegung soll dabei zügigem Gehen entsprechen. Wer bereits aktiv ist, kann mit einem gezielten Training von Ausdauer, Kraft und Beweglichkeit einen zusätzlichen Nutzen erzielen. Auch ältere Menschen, die sich bisher kaum bewegt haben, können viel von regelmässiger Bewegung profitieren.
• Jugendliche sollten sich eine Stunde pro Tag bewegen, jüngere Kinder deutlich mehr. Darüber hinaus sollten junge Menschen mehrmals pro Woche Aktivitäten durchführen, welche die Knochen stärken, Herz und Kreislauf anregen, die Muskeln kräftigen, die Beweglichkeit erhalten und die Geschicklichkeit verbessern“ (Martin-Diener, Martin, Mäder, Studer & De Keyzer, 2009, S.2).

Ich denke das sind sicherlich sinnvolle Ratschlage und wenn Sie sich nicht regelmässig bewegen, dann empfehle ich Ihnen damit anzufangen. Nach meiner Überzeugung fehlt aber eben eine wichtige Komponente; die Qualität der Bewegung.

Die zur Pyramide dazugehörige Definition von gesundheitswirksamer Bewegung lautet wie folgt:

„Gesundheitswirksame Bewegung: Englisch: Health Enhancing Physical Activity (HEPA). Gesundheitswirksam ist jede Form körperlicher Aktivität, welche die Gesundheit verbessert und dabei möglichst wenig unerwünschte Nebeneffekte hat. Charakterisiert wird gesundheitswirksame Bewegung durch deren Häufigkeit, Dauer und Intensität“ (Martin-Diener et al., 2009, S.4).

In dieser Definition von ‚gesundheitswirksamer Bewegung‘ wird erwähnt, dass diese möglichst wenig unerwünschte Nebeneffekte haben soll. Ich frage mich etwas, was damit gemeint ist und ob dieser Satz nicht etwas stärker ins Zentrum gerückt werden müsste? Wenn ich dann nämlich anschliessend lese, wodurch gesundheitswirksame Bewegung charakterisiert wird; Häufigkeit, Dauer und Intensität, dann denke ich, dass hier etwas Wesentliches vernachlässigt wird. Meines Erachtens müsste die Qualität von Bewegung, als ein viertes Merkmal, hinzugefügt werden.
Der Satz müsste demzufolge wie folgt lauten:

„Charakterisiert wird gesundheitswirksame Bewegung durch deren Qualität, Häufigkeit, Dauer und Intensität.“

Auch in folgender Aussage zeigt sich meines Erachtens, dass zurzeit vor allem auf die Quantität und nicht auf die Qualität von Bewegung gesetzt wird:

„Entscheidend für die Gesundheitseffekte von körperlicher Aktivität ist aber die Gesamtaktivität während einer bestimmten Zeitperiode“ (Martin-Diener et al., 2009, S.4).

Dieser Aussage würde ich widersprechen. Es mag sein, dass die Gesundheit Ihres Herz-Kreislaufsystems vor allem von der Gesamtaktivität abhängig ist, die Gesundheit bestimmter Aspekte Ihres Bewegungsapparates mit ziemlicher Sicherheit nicht. Im Gegenteil, bewegen Sie sich häufiger und intensiver mit unfunktionellen Bewegungsmuster, ist die Wahrscheinlichkeit grösser, dass Ihr Bewegungsapparat Schaden nimmt und dies möglicherweise irreparabel, was sicherlich nicht förderlich für Ihre Gesundheit ist.

Auch wenn gesagt wird, dass die schädigenden Auswirkungen von körperlicher Aktivität deutlich geringer sind als diejenigen von Bewegungsmangel (Martin-Diener et al., 2009, S.7), einer Aussage welcher ich zustimmen würde und für die Mehrheit der Sporttreibenden das Risiko für Abnützungen in den Gelenken nicht erhöht ist (Martin-Diener et al., 2009, S.11), denke ich, dass wir die Gefahr von Bewegung etwas mehr thematisieren sollten, wird doch auch festgestellt, dass: „Bei Personen, die lange Jahre sehr intensiv Sport treiben, können sich allerdings die tragenden Gelenke im Röntgenbild wahrnehmbar verändern“ (Martin-Diener et al., 2009, S.11).

Ich denke wir sollten in Zukunft stärker darüber sprechen was funktionelle Bewegungsmuster sind, damit wir behaupten können, dass Bewegung gesund ist.
Dass diese Problematik in der Vergangenheit etwas vergessen gegangen zu sein scheint, kommt meiner Ansicht nach auch im folgenden Zitat zum Ausdruck, welches aus dem Abschlussbericht des fünf jährigen Nationalen Forschungsprogramms ‚Muskuloskeletale Gesundheit-chronische Schmerzen‘ stammt (Leitungsgruppe des NFP 53, 200?). In diesem Projekt haben sich während 5 Jahren 26 Forschungsgruppen mit der Thematik von Erkrankungen des Bewegungsapparates auseinandergesetzt:

Es wird resümiert:

„Beim Herz-Kreislauf-System hat die Forschung in den vergangenen Jahrzehnten zahlreiche Faktoren identifiziert, die das Auftreten von Krankheiten begünstigen. Dazu gehören zum Beispiel Rauchen, kalorienreiche Ernährung, zu wenig Bewegung, Bluthochdruck oder erhöhte Cholesterin- Werte im Blut. Deshalb gibt es heute wirksame Präventions-Programme zur Vermeidung dieser Risiken und damit zur Erhaltung der Gesundheit des Herzens. Der eigentliche Anstoss für diese positive Entwicklung war die erschreckende Tatsache, dass Herz-Kreislauf-Krankheiten bei uns die häufigste Ursache dafür ist, dass Menschen vorzeitig sterben. Im Gegensatz dazu führen Erkrankungen des Bewegungsapparats selten unmittelbar zum Tod. Viel häufiger ziehen sie Behinderungen und chronische Schmerzen nach sich. Diese scheinbar weniger dramatischen Konsequenzen sind mit ein Grund, dass die muskuloskeletalen Erkrankungen von der Forschung lange Zeit vernachlässigt wurden. Die Folge: Erst langsam wächst das Verständnis für die Risikofaktoren muskuloskeletaler Beschwerden. Und Programme zur Förderung der Gesundheit des Bewegungsapparats stehen noch am Anfang“ (Leitungsgruppe des NFP 53, 200?, S.6).

Es wird denn auch resümiert, dass noch viele Anstrengungen notwendig sind, um die Prävention zu stärken und die Rehabilitation zu fördern (Leitungsgruppe des NFP 53, 200?, S.3).

Ich denke, dass das erste Zitat aufzeigt, dass der Bewegungsapparat zu wenig Aufmerksamkeit bekommen hat und deshalb zu wenig darüber nachgedacht wurde, welche Massnahmen sinnvoll wären, um diesen Bewegungsapparat möglichst optimal zu schützen. Dieses Versäumnis schlägt sich dann meiner Meinung nach in der momentan verbreiteten Bewegungspyramide nieder.

Ich habe mir deshalb überlegt, wie ich die momentane Bewegungspyramide optimieren könnte, damit die Kernaussage nicht mehr lautet ‚Bewegung ist gesund‘ sondern ‚qualitative Bewegung ist gesund‘.
So ist die folgende ‚erweiterte Bewegungspyramide‘ entstanden:

Die Erweiterte Bewegungspyramide

Der Zusatz in Form einer neuen Basis, bestehend aus funktionellen Bewegungsmustern, sieht auf den ersten Blick vielleicht sehr einfach aus, ist meiner Ansicht nach aber sehr viel wert.

Mit dieser Pyramide würden wir meiner Ansicht nach bereits eine deutlich differenziertere Aussage betreffend körperlicher Gesundheit abgeben, denn die Kernaussage würde nicht mehr lauten ,Bewegung ist gesund‘ sondern ‚auf der Basis von funktionellen Bewegungsmustern ist Bewegung gesund‘.

Oder durch mein Lieblingszitat von Gray Cook ausgedrückt:

„First move well. Then move often.“ (Gray Cook)

Ich habe dann aber festgestellt, dass diese erweiterte Bewegungspyramide für mich noch immer nicht optimal ist, wenn mein Ziel es ist eine Orientierungshilfe zur Verbesserung der körperlichen Gesundheit zu bieten. Ich habe deshalb die SFT Gesundheitspyramide entwickelt, welche ich Ihnen dann im nächsten Artikel vorstellen werde. Nun möchte ich nur noch einige Gedanken zu dieser neuen Basis loswerden.

Wenn wir also diese neue Basis verwenden wollen, dann bedeutet dies, dass wir uns damit auseinandersetzen müssen, was funktionelle Bewegungsmuster sind. Mehr dazu schreibe ich, wie bereits erwähnt, in meinem Text ‚Beweglichkeit‘. Ich denke es wäre sinnvoll, wenn wir alle gemeinsam einen Referenzwert festlegen würden, was wir als optimaler bzw. weniger optimal für unsere Art (Homo Sapiens) erachten. Meines Wissens existiert in der Schweiz noch kein solcher Referenzwert und so schlage ich vor, dass wir entweder selber einen entwickeln oder aber den Referenzwert benutzen, welcher Gray Cook und Lee Burton mit ihrem Test ‚Functional Movement Screen‘ setzen. Das ist nur ein Vorschlag, aber in meinen Augen ist er sehr durchdacht und in der Praxis sehr einfach und gewinnbringend einzusetzen. Dass dieser Test ziemlich gut sein muss, zeigt mir auch die Tatsache, dass mehrere Profiteams aus dem Sportbereich diesen Test einsetzen. So nutzen ihn laut FMS 8 der 12 Teams der National Football League, welche dieses Jahr (2012-2013) die Play-offs (letzte Runde der besten Teams) erreicht haben. Auch Swiss Atletics setzt diesen Test bei der Talentsichtung ein und es gäbe noch unzählige weitere Teams. Ich denke, wenn sogar Spitzensportler sich wichtige Erkenntnisse aus einem Test bestehend aus 7 Bewegungsmustern ziehen können, welche lediglich die Qualität der Bewegung bewerten, dann kann es für ‚uns Normalsterblichen‘ ebenfalls nicht ganz verkehrt sein.

Wer einen solchen Test durchführen sollte, wo das stattfinden kann etc. das sind Fragen, welche sich vielleicht in der Zukunft beantworten werden. Ich persönlich fände den Schulsport dazu als idealen Ort. Ich denke es wäre sehr wertvoll, wenn wir unseren Schülern ein solches Verständnis von Bewegung mitgeben würden. Aber auch in anderen Institutionen, welche auch andere Altersgruppen erreichen, wäre ein solcher Test meiner Ansicht nach sehr sinnvoll.

Es ist heute gang und gäbe, dass sich ältere Menschen einen Check ihres Herzkreislaufsystems unterziehen. So lassen sich 84% der 55-64-jährigen ihren Blutdruck und 57% ihren Cholesterinspiegel messen. Diese Werte werden in den älteren Altersklassen sogar übertroffen (Lieberherr et al., 2010, S.7).

Ich frage mich deshalb, ob es nicht auch sinnvoll wäre, wenn sie sich einem Test betreffend Ihres Bewegungsverhaltens unterziehen lassen würden, damit sie möglichst lange mobil und selbständig bleiben. Ich denke schon, bzw. ich persönlich werde es so machen, denn ich bin der Überzeugung, dass ich mich vor allem dann verbessern kann, wenn ich meine Schwächen kenne.

Es würde mich freuen, wenn wir gemeinsam diese Gedanken weiterentwickeln würden. Ich denke für den Moment belasse ich es jetzt bei dieser kurzen ‚Einführung‘. In meinem nächsten Artikel erkläre ich Ihnen, weshalb die erweiterte Bewegungspyramide für mich als Gesundheitstool noch nicht optimal ist und ich die SFT Gesundheitspyramide entwickelt habe.

Happy Journey

Tom

Quellen: beim Autor erhältlich.

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